„Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“

„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da mußte der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, daß die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier, sie waren eben Heuermann, oder wenn dessen Frauen Kinder stillen mußten in der Erntezeit, die mußten nachgebracht werden und dann hinter Gattern. Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies mußte zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau mußte sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.

Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief in der Südoldenburger Presse, nachdem ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Zugleich beleuchten sie, warum das Heuerlingswesen, das rund 400 Jahre die ländliche Gesellschaft zwischen niederländischer Grenze und Ostwestfalen-Lippe bzw. dem Kreis Nienburg im Osten prägte, bis heute auf dem Land kontrovers diskutiert wird.

Nahezu 400 Jahre fungierte das Heuerlingswesen als tragende Säule der ländlichen Wirtschaftsordnung im deutschen Nordwesten. Das Leben der Heuerleute, auch als Heuerlinge, Kötter oder Häusler bezeichnet, wurde häufig totgeschwiegen – obwohl sie lange Zeit in zahlreichen Dörfern die Mehrheit stellten. Die Lage der unterbäuerlichen Schichten führte für Jahrzehnte in der Forschung wie in der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht einmal ein Schattendasein. So überraschte der große Erfolg des Werks von Helmut Lensing und Bernd Robben über das Heuerlingswesen mit den hier erläuterten vielen Facetten des Alltagslebens von Heuerleuten, Siedlern, Knechten und Mägden die Fachwelt. Inzwischen liegt die 10. Auflage vor – immer wieder erweitert oder ergänzt. Die beiden Autoren schildern das Heuerlingswesen von seinen Anfängen mit der drückenden Abhängigkeit vom Bauern über die zahlreichen Versuche der Heuerleute, durch Textilfabrikation, Hollandgang, dem Siedeln, der Ausplünderung der Allmende, der Auswanderung oder dem Abwandern in die Industrie ein auskömmliches Leben zu führen, zeigen ihren Kampf um Land und politische Rechte in der Weimarer Zeit auf und beschäftigen sich ebenso mit ihrem Einflussverlust in der NS-Zeit und dem raschen Untergang des Heuerlingswesens nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Buch erzählen auf eigens gestalteten Seiten Betroffene, darunter auch die ansonsten immer übersehenen Heuerlingsfrauen, über verschiedene Aspekte des harten Heuerlingslebens am Rande der dörflichen Gesellschaft. Zeitzeugenberichte wie die zahlreichen Illustrationen lassen das Leben einer untergegangenen, aber keineswegs vergessenen dörflichen Schicht wieder lebendig werden.

Helmut Lensing/Bernd Robben, „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ – Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland, Meppen 2021 (10. minimal geänderte Auflage), 339 S.

ISBN: 978-3-9818393-1-9

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